Kennst du den Spruch "Träume nicht dein Leben sondern lebe deinen Traum?", soll ich dir was sagen? 99% der Leute die diesen Spruch geil finden Leben nicht danach, sie machen genau das Gegenteil. Sie verträumen ihr ganzes Leben und sind nicht bereit neue Dinge auszuprobieren. Vielleicht haben sie auch nur Angst oder sie gehen lieber den leichten Weg. Ich weiß es nicht. Es ist genau so, wie Menschen sagen "ich mache das Irgendwann..." sie meinen damit "ich mache das nie, aber das kann ich natürlich nicht sagen, stattdessen denke ich mir Gründe aus wieso ich es nicht tun kann... zB muss ich jetzt noch Staubsaugen..."
Weißt du was ich meine? Der Spruch im Titel ist genau so etwas, so ein typischer Spruch er besagt eigentlich nichts anderes als dass das wirklich lebenswerte Leben jenes ist, dass man mit Dingen verbringt die man nicht jeden Tag tut. Klar, klingt eigentlich voll logisch und verständlich. Aber wo ist der Haken? Der Haken ist, dass die Leute das zwar wissen, sie tun es aber nicht.
Ich habe den Spruch übrigens von einem guten Freund (und wieder einmal bin ich froh, dass ich hier mehr oder weniger anonym blogge. nein okay anonym bin ich nicht, wenn mich jemanden finden will, wird er das spätestens über mein Google Profil tun, das ist auch okay so... aber ich muss diese Gedanken nicht meinen normalen Lesern auf die Nase binden).
Der Freund, ich nenne ihn jetzt einfach mal M. war in seinem Kopf ein richtig krasser Typ, das klingt jetzt beleidigend, so ist es aber nicht gemeint. Ich mochte ihn auch mit seinem Handeln, ich mochte ihn als Freund ja, aber es war eine riesige Schlucht zwischen dem wie er vorgegeben hat zu sein und wie er wirklich war. Solche Sprüche wie "Life begins at the end of your comfort zone." waren bei ihm ganz vorne mit dabei. Er hat ständig davon erzählt, dass er jeden Tag neue Dinge ausprobieren möchte, dass er wo er auch nur kannte neue Menschen kennenlernen will und dass das für ihn alles kein Problem ist. Er hat einen über the Law of Attraction erzählt, darüber dass er super cool bei Frauen ankommt, weil er einfach so ein cooler und unabhängiger Typ ist...
Das miese war, wenn man es nicht besser wusste, hat man es wirklich geglaubt.
Es ist eigentlich traurig, dass es in Wirklichkeit total anders war. Der Junge, der immer davon geredet hat, dass wir unsere Lebensqualität steigern, wenn wir offen auf andere Menschen zugehen und sie kennenlernen war in Wirklichkeit total schüchtern.
Ich erinnere mich noch daran, dass er mit einem anderen guten Kollegen auf einer Studentenparty war, vorher hat er noch einen darüber gelabert wie viele Frauen er ansprechen und abschleppen wird, dass er zwar nicht hingeht um Frauen kennenzulernen sondern um Spaß zu haben und neue Leute kennen zu lernen und dass dann die Frauen von ganz alleine kommen, einfach weil er so ein cooler Typ ist. Und wie war es am Ende?
Am Ende hat er es nicht geschafft irgendjemanden anzusprechen, egal ob Mann oder Frau, er stand die ganze Zeit in der Ecke mit einem Bier und hat den Leuten nicht mal in die Augen schauen können und gegen Mitternacht hat er auf der Toilette nen halben Nervenzusammenbruch geschoben weil er sich so unendlich scheiße gefühlt hat.
Nein, ich will mich nicht da irgendwie drüber stellen oder sagen "hey guckt euch mal den Idioten an, er hat soziale Ängste" nein ganz im Gegenteil, ich finde es traurig weil er mein Freund ist und selbst wenn er nicht mein Freund wäre, würde ich es traurig finden, weil es einfach scheiße ist wenn Menschen sich wegen solcher Sachen schlecht fühlen.
Aber die Moral von der Geschichte? Die ist, dass die meisten Leute ne große Fresse haben aber sich selbst nicht an das halten was sie sagen. Sie sprechen davon ihren Traum zu leben und machen Tag ein Tag aus das selbe bis sie in Rente gehen. Sie erzählen, dass sie irgendwann mal ne Weltreise machen und fahren dann noch 20 Jahre hintereinander nach Mallorca... sie reden davon dass das Leben lebenswerter wäre, wenn sie ständig und überall auf andere Menschen zugehen und hängen dann auf Partys mit nem Bier in der Hand den ganzen Abend in der selben Ecke.
Ich will jetzt auch nicht sagen "mach es einfach!" denn ich weiß selbst, dass es nicht so einfach ist etwas vollkommen neues zu machen. Ich kann das ganze hier sogar noch pseudowissenschaftlich ausführen und mit meinem Halbwissen über empirische Studien belegen, die das menschliche Verhalten erforschen. Wenn das jemand möchte, dann soll er es doch bitte in die Kommentare schreiben :P ich werde dann hier ausgiebig über Gewohnheiten und Nervenbahnen im Gehirn philosophieren...
Aber darum gehts nicht, es geht darum dass es manchmal so einfach sein kann was neues zu machen, man muss sich nur einmal kurz überwinden.
Kenn ihr diese Situationen wo ihr denkt "ich habe jetzt ÜBERHAUPT keinen Bock dies oder das zu tun... ich würde lieber tausend andere Dinge auf der Welt tun aber nicht DAS" und am Ende stellt ihr fest, dass es wahnsinnig Spaß gemacht hat.
So ging es mir immer in Reli früher in der Schule, die Stunden lagen nämlich wahnsinnig beschissen in meinem Studenplan, ich hatte davor noch Freistunden und am Nachmittag dann drei Schulstunden Reli am Stück und ich saß JEDES Mal zu Hause in meinen Freistunden und hatte SO keinen Bock dahin zu fahren... und oft habe ich es auch nicht getan, aber komischerweise war Reli auch irgendwie mein Lieblingsfach, weil in dem Kurs einfach zwei Menschen waren mit denen ich wahnsinnigen Spaß hatte und die ich sonst die ganze Woche über nicht gesehen habe... jeden verdammten Mittwoch das selbe Gefühl "nein ich habe keinen Bock, um alles auf der Welt ich will jetzt nicht aufstehen und wieder in die Stadt fahren..." und wenn die drei Stunden dann vorbei waren, war ich einfach extrem gut drauf weil sich für die kurze Pause zwischen den Stunden einfach der ganze Aufwand gelohnt hat...
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